Am 25. Juli bin ich zur ersten Mountainbike Tour ins Velebit Gebirge aufgebrochen und hätte niemals erwartet, dass ich fast 10 Stunden später vom Croatian Mountain Rescue Service mit einer Bergrettung aus dem Velebit Gebirge befreit werde. Ich bin nicht stolz auf die Rettung, allerdings erscheint mir der Weg dorthin typisch und vielleicht kann ich mit diesem Artikel andere vor ähnlichen Situationen schützen.

Mit 60km und 1500hm wollte ich moderat ins Velebit Gebirge einsteigen, nachdem ich bereits tagszuvor mit einer Umrundung des Novigrader Meeres die Umgebung um Maslencia erkundet habe. Durchschnittlich 43 Grad betrugen die Temperaturen am Vortag, weshalb ich bereits um 7:30 Uhr (statt 11:30 wie am Tag zuvor) losgefahren bin.

Alles begann normal. Nach etwas weniger als 2,5 Stunden hatte ich den Gipfel erklommen und erstmals den Tulove Grede vor der Nase. Die nächsten 12km sollten wellig verlaufen, ehe ich dann in den letzten 25km einen Downhill Trail und später auf der Straße zurück zum Ferienhaus fahren wollte.

Und jetzt begann das Dilemma. Ich habe die Route mit Komoot geplant und als Vorgabe Gravel benutzt aus Vorsicht vor den unbekannten Felsgestein aber mit dem Hardtail noch fahrbar. Später folgten die ersten Tragepassagen, die ich aber aus den Alpen ebenfalls kenne und mir nichts dabei gedacht habe. Als der Weg immer zugewachsener wurde, habe ich gehofft bald wieder einen fahrbaren Abschnitt zu finden. Aber desto weiter ich nach vorne ging (und wusste, dass der Weg zurück wieder durch die Büsche krabbeln bedeutete), desto schwieriger wurde der Weg. Ich musste meinen Lenker zwischen den Bäumen einfädeln, über Felsgestein tragen, auf 1,5m hohe Felsen tragen… anderthalb Stunden später ging es weder vor noch zurück. Laut Komoot noch 30m nach oben, bevor es runter geht. Allerdings so steil, dass ich eine Kletterausrüstung benötigt hätte.

Zurück war es nicht weniger einfach, der dritte Weg endet im nirgendwo. Kurz vor der Siedlung Rastovac, die seit Jahren unbewohnt ist. Meine letzten Wasservorräte leerte ich gegen 11:30 Uhr. Das Thermometer zeigte 53 Grad und ich war mitten im Velebit. Ich kam nicht vor und nicht zurück. Ich rief Natascha um Hilfe, die allerdings von der anderen Seite des Wegs ebenfalls keine Möglichkeit sah zu mir zu kommen und andererseits die Gefahr bestand, dass wir beide in Schwierigkeiten gerieten. Zeit verging. Es war 14 Uhr und mein iPhone Akku zeigte noch 8% an.

Impressionen meiner Fehlentscheidungen

Hier habe ich ein paar Fotos von den Wegen, die mich immer weiter ins Verderben geführt habe. Gut zu erkennen, wie verwachsen die Wege waren. Wie felsig es geworden ist und das ich mich am Ende mehr oder weniger auf einem Kletterpfad befunden habe.


Letzter Ausweg Bergrettung

Ich rief den Notruf, der mich mit der Bergrettung weiterverbunden hat. Im schlechten Englisch tauschten wir uns aus, meinen Standort konnte ich glücklicherweise per WhatsApp versenden. Das war um 14:15. Bis 15:45 hielt mein Akku. Ich konnte mich auf dem Fels im Schatten eines Baumes aufhalten und sollte mich möglichst wenig bewegen. Durch die Panik in mir, die heißen Temperaturen und die sportliche Belastung merkte ich die Dehydration schnell. Ich war nicht mehr in der Lage die Felsvorsprünge hochzuklettern, um selbst nach einem Ausweg zu schauen. Dank meines Garmins hatte ich wenigstens eine Uhrzeit, allerdings keine Möglichkeit mehr mit jemanden in Kontakt zu treten. Ich habe versucht zu schlafen. Ich döste vor mich hin. Wollte Kraft sammeln für den Fall, dass niemand kommt und ich doch den Weg alleine runter muss.

Um 17:20 Uhr entschied ich alle 10min um Hilfe zu rufen, weil ich mir nicht sicher war wie akkurat mein Standort ist und außerdem war der Weg auf dem ich mich befand gar nicht einsehbar. Um 17:50, also fast vier Stunden nach meinem Hilferuf wurden die Rufe erwidert. Allerdings befanden sich meine beiden Retter noch weit weg. Es vergingen bestimmt weitere 25 Minuten bis ich sie hören konnte, Sichtkontakt gab es erst unmittelbar bevor sie da waren.

Sie gaben mir ein Isogetränk, dass ich langsam trinken sollte. 750ml, ich hatte es noch nie so sehr genossen. Anschließend tauschten wir uns, wie es zu meiner Lage kam. Sie sagten, ich könnte mich jetzt 40min stabilisieren und dann würden wir weitergehen. Mit einem nassen T-Shirt wurde mein Körper runtergeführt und nach einer halben Stunde bekam ich mehr Wasser zu trinken.

Wir folgten dem Weg runter nach Rastovac, was mir aber erst später mit Blick auf die Karte klar wurde. Der Abstieg dauerte 25min, an drei Stellen mussten wir das Rad zu dritt weiter reichen, weil die Felsen so hoch waren. Kurz vor Rastovac, da wo der Weg endete, begann der Garten der verlassenen Bauernsiedlung. Wir hatten noch ca. 150m Gestrüpp vor uns, ehe wir eine Naturstraße erreichten. Von dort fuhr einer der Retter mit meinem Rad zum Jeep, der uns dann entgegenfuhr. Natascha war mit dabei, sie wartete seitdem am Jeep. Ein schöner Moment.

Die Lehren der Bergrettung

Ihr habt es bestimmt alle schon einmal erlebt, diesen Point of no return. Wo man die Entscheidung wählte diesen Scheiss Weg solange weiter zu folgen bis ein besserer Weg kommt anstatt umzukehren. Der Knackpunkt. Ich hätte viel früher umdrehen müssen und erkennen müssen, dass der Weg nicht besser wird.

Außerdem hatte ich in den Alpen immer eine Powerbank dabei und bin mir 3 statt 1,5L Blase unterwegs gewesen. Beides hätte meine Situation um einiges komfortabler gemacht.

Glück im Unglück hatte ich aber durch die Netzabdeckung. Natascha hatte auf ihrer Seite des Aufstiegs zu mir kein Handynetz, nichts auszumachen was passiert wäre, wenn ich kein Netz gehabt hätte. Selbst wenn ich ohne Rad umgekehrt wäre, hätte ich einen Fußmarsch von mindestens 20km vor der nächsten Infrastruktur gehabt. Allerdings fühlte ich mich wirklich miserabel und so zittrig, dass weiter klettern beim Absetzen des Notrufs nicht möglich gewesen wäre.

Fazit

Merci. Thank you. Havala.

Bisher bin ich immer unbedarft in fremde Berggebiete gefahren und mit Komoot Routen sicher unterwegs gewesen. Die ein oder andere Schiebepassage gehört eben dazu. Künftig gleiche ich die Routen mit Strava Heatmaps ab, denn ein Blick auf die Heatmap der Region hat gezeigt, dass ich genau in der Umgebung war, wo niemand bisher mit dem Rad unterwegs war. Und das wohlgemerkt, obwohl Komoot mich über diesen Weg geroutet hat und ich keine Markierung gesetzt hatte.

Für die weiteren Touren im Velebit und am Zrmanja Canyon habe ich bei der Routenplanung mehr Zeit investiert und bin belohnt worden. Dazu dann in der kommenden Woche mehr.

Ich bin den beiden Rettern sehr dankbar. Und beide haben mir versichert, dass ich richtig gehandelt habe und es gut war, dass ich nicht noch weiter herumgeirrt bin. Sensibilisiert haben sie mich nochmal für Powerbank, mehr Wasser und auch ein Stück Stoff, um bei Überhitzung den Körper mit wenig Wassereinsatz kühlen zu können.